
Köln (RPO). Klitschko, Klitschko, Klitschko - Emanuel Steward ist in seiner Begeisterung für seinen Schwergewichts-Weltmeister Wladimir Klitschko nicht zu bremsen. Doch eigentlich sollte der weltbekannte Box-Trainer nicht über die Revanche zwischen Klitschko und Lamon Brewster, sondern über sein eigenes Leben sprechen.
Über seine Jugend, über sein Kronk Gym in der Motor City Detroit und zum Beispiel über Fighter wie Thomas "Hitman" Hearns. "Ja, es war eine goldene Ära", sagte der in Bottom Creek/West Virginia geborene Steward im Interview.
Wie aufs Stichwort springt der Coach auf und geht ins Schlafzimmer seiner Suite im Hyatt Hotel mit Blick auf den Dom. Sekunden später legt er eine Fotokollage auf den Tisch: "Ich hatte das ganze Zimmer voll davon. Irgendjemand muss das Zeug mitgenommen haben." Kein Wunder, jedem Box-Fan gehen bei einem solchen Sammlerobjekt die Augen über. "Diese Vier zusammen auf einem Foto, das ist ganz selten", erklärt Steward und zeigt auf eine Aufnahme auf dem _link_en oberen Rand der Kollage.
Das Foto zeigt die wohl größten Boxer der 80er Jahre: Neben Stewards Fighter Hearns strecken die damaligen Box-Könige Sugar Ray Leonard, Marvelous Marvin Hagler und Roberto Duran ihre einst magischen Hände in Richtung Kameralinse, gekleidet in Smokings, freundlich lächelnd. Dabei haben sich die "Fabulous Four" Duelle geliefert, die die Bezeichung Ringschlacht wahrhaftig verdienten.
So verlor Thomas Hearns 1981 das Duell der Champions im Welter gegen Leonard. Der hatte zuvor 1980 gegen Duran verloren und die Revanche gewonnen. Hearns knockte Duran 1984 aus und wurde 1985 im Krieg (The War) von Hagler in drei Runden brutal niedergestreckt.
Emanuel Steward war ein Teil dieser Ära, in seiner Hitliste steht Hearns-Leonard I ganz oben. "Damals gab es noch kein Pay TV. Es war das größte Spektakel bis dato überhaupt. Ich habe zusammen mit der Leonard-Seite diesen Kampf gemacht. Hearns fünf Millionen Dollar Börse, Leonard acht Millionen. Das Training der beiden verfolgten zwischen 2000 und 3000 Fans. Auch Muhammad Ali kam vorbei, um die beiden zu sehen. Das war der Kampf, den die Fans wollten. Und sie wurden nicht enttäuscht", erzählt Steward mit glänzenden Augen.
Es war der vorläufge Höhepunkt im (Berufs-)Leben des zweimaligen Familienvaters, der 1996 in die International Boxing Hall of Fame aufgenommen wurde. Als Emanuel sieben Jahre alt war, lag ein Paar Boxhandschuhe für ihn unter dem Weihnachtsbaum. Fortan bestimmte der Faustkampf sein Leben. Schlüsselerlebnis war ein Straßenkampf gegen einen größeren Jungen aus dem Nachbarort. Als klarer Underdog knallte Steward seinem Rivalen eine Rechte auf die Nase und trieb seinem Gegner die Tränen in die Augen.
Mit dem Umzug nach Detroit begann Steward als Amateur zu boxen, gewann im Bantamgewicht 93 von 96 Kämpfen und 1963 die begehrten Golden Gloves. Zwei Jahre zuvor hatte er bereits als Trainer begonnen. Um seine Mutter Catherine und seinen Vater Manuel, einem Bergmann, sowie seine zwei Schwestern zu unterstützen, arbeitete Steward in allen Branchen: Als Elektriker, Versicherungs-Vertreter oder Verkäufer für Kosmetikartikel.
In den 70er Jahren schließlich begründete der stolze Besitzer eines roten Rolls Royce Corniche das Kronk Gym in Detroit. Boxen ist für Emanuel Steward grundsätzlich simpel ("Ich trainiere einfache Dinge"), sein Credo auch: "Die Fans wollen unterhalten werden und ein Spektakel erleben. Dazu gehören Knockouts." So machte er einst aus dem Box-Stilisten Hearns, der "Motor City Cobra", den "Hitman"....
Quelle:
http://www.rp-online.de/public/article/sport/mehr/andere/455211/Klitschko-Coach-im-grossen-Interview.html