recht interessante Interview mit Wladimir vor dem Arreola-Kampf
KÖLNER STADT-ANZEIGER:Herr Klitschko, bekämen Sie Angst, wenn kurz vor dem ersten Gong eines Kampfes zwei Typen wie Sie und Ihr Bruder Vitali Seite an Seite vor Ihnen stehen würden? So ergeht es Ihren Gegnern ja immer.
WLADIMIR KLITSCHKO: Das würde irgendwie stören, denke ich.
Wie geht es Ihnen während eines Kampfes von Vitali, wenn Sie in der Ecke sitzen?
KLITSCHKO: Ich hasse es, weil ich nichts tun kann.
Wie wichtig ist Ihnen bei eigenen Kämpfen der Bruder in der Ecke?
KLITSCHKO: Ich weiß, dass Vitali ohne mich genauso gut boxen würde - und umgekehrt. Aber es gibt mir schon ein gewisses Gefühl, wenn der Bruder da ist. Ich glaube nicht, dass es ein Vorteil im Kampf ist, aber es ist schön. Ich kenne es ja auch nicht anders. Ich bin auf die Welt gekommen, und Vitali war schon da. Anders kann ich es mir nicht vorstellen.
Im Staples Center von Los Angeles hat Vitali gegen Lennox Lewis seinen wohl blutigsten Kampf gemacht. Haben Sie Sorge, dass so etwas wieder passieren könnte?
KLITSCHKO: Sorgen sind immer dabei. Das ist keine Comedy-Veranstaltung, das ist ein ernster Sport. Man muss physisch und psychisch in Topform sein, man kann das nicht nebenbei machen. Natürlich bin ich nervös. Ich bin froh, wenn der Kampf vorbei ist, wir gewonnen haben und Vitali heil und gesund ist.
Sie sehen es als „wir haben gewonnen“, nicht „er hat gewonnen“?
KLITSCHKO: Ja, hundert Prozent. Wir verlieren zusammen, und wir gewinnen zusammen. Wir teilen das. Es freut mich sogar mehr, wenn Vitali gewinnt. Wenn ich selbst gekämpft habe, bin ich auch zwei Wochen später noch in einer Art Tunnel, kann nur schwer wieder ins normale Leben zurückkommen. Wenn Vitali kämpft, kriege ich alles viel besser und intensiver mit.
Was für einen Kampf erwarten Sie zwischen Vitali und Chris Arreola?
KLITSCHKO: Das wird ein schwieriger Kampf. Der Gegner ist sehr selbstbewusst, der wird nicht aufgeben. Der wird das durchziehen. Er hat keine Verteidigung, marschiert immer nach vorn und will den Knockout. Der Kampf wird nicht lange dauern. Aber ich bin überzeugt, dass Vitali gewinnt, und zwar mit einem K.o.-Sieg.
Sie sind fünf Jahre jünger als Ihr Bruder. Haben Sie ihm nachgeeifert, als Sie Kinder waren?
KLITSCHKO: Ja, das war der Fall. Unser Vater hat immer gearbeitet. Die nächste ältere Person, die da war, war meine Mutter. Aber ich wollte natürlich nicht wie meine Mutter werden, klar. Dann war da Vitali. Er hat immer als Erster irgendwas ausprobiert und es mir dann gezeigt. Er hat immer neue Sachen gemacht. Genau so bin ich auch zum Boxen gekommen. Ohne ihn wäre ich nicht in diesem Sport. Er ist eigentlich der wahre Boxer, der wahre Krieger. Er ist damit geboren, ich bin das geworden. Bei ihm ist es authentisch, bei mir ist es nachgespielt.
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