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Klitschko hat zum vierten Mal sein Camp auf Mallorca aufgeschlagen, des milden Klimas wegen, das ihm Läufe in den Bergen ermöglicht, ohne eine Erkältung zu riskieren. Seit Ende Oktober ist er hier, am 7. Dezember reist er Richtung Mannheim ab. Bei ihm sind Trainer Emanuel Steward, dessen Assistent James Bashir, Stewards weitere Schützlinge Johnathon Banks und Andy Lee, diverse Sparringspartner, Physiotherapeut John Knarr sowie Dave Williams, der nicht nur alle Speisen für das Team zubereitet, sondern sich als „Mädchen für alles“ unentbehrlich gemacht hat. Williams, der in Los Angeles das Promi-Restaurant „Mogan’s Cafe“ betreibt, ist seit zweieinhalb Jahren im Team. Er kontrolliert jedes Nahrungsmittel, das Klitschko zu sich nimmt, auf seine Reinheit, hat dafür sechs Koffer voll Koch-Equipment mit nach Spanien gebracht. Bis zu 6000 Kalorien pro Tag nimmt der Champion zu sich, vorrangig isst er Rindfleisch, viel Pasta, Obst und Gemüse, um ausreichend Kohlenhydrate, Proteine und Eisen zu tanken. Dazu kommen rund vier Liter Flüssigkeit täglich – und das obligatorische Stückchen Käse- oder Schokoladenkuchen, das Klitschko sehr liebt.
Trainiert wird zweimal täglich, nur Mittwochnachmittag und sonntags ist frei. Der 32-Jährige schwimmt zusätzlich sehr viel und studiert Videomaterial seines Kontrahenten. Trainer Steward hält Rahman zwar für „technisch und athletisch klar unterlegen“, hat aber großen Respekt vor dessen Fähigkeit, mit einem einzigen Schlag einen Kampf entscheiden zu können. „Diese One-Punch-Boxer sind die gefährlichsten Gegner, weil man sich gegen sie nicht eine Sekunde lang ausruhen darf“, sagt der US-Amerikaner. Um seinen Schützling auf diese Herausforderung einzustellen, lässt er an diesem Nachmittag im Sparring vor allem das Verhalten im Rückwärtsgang sowie das schnelle Bewegen durch den Ring trainieren.
Der ukrainische Schwergewichtsweltmeister bereitet sich auf der Mittelmeerinsel Mallorca auf seine Titelverteidigung am 13. Dezember in Mannheim gegen den US-Amerikaner Hasim Rahman vor und beeindruckt im Training mit exzellenter Beinarbeit.
Dafür steht Klitschko mit dem US-Cruisergewichtler Max Alexander (28) in dem Ring, den ihm das Hotel in einem eigens für ihn ausgeräumten Konferenzraum aufgebaut hat. Klitschko hat die Maßgabe, nur in den ersten drei der sechs Trainingsrunden zu schlagen, in den letzten drei darf er sich nur verteidigen und bewegen. Er sieht sehr gut aus dabei, pendelt in schnellen Folgen im Oberkörper und tänzelt auf wieself_link_en Beinen durch das Seilgeviert. Dem völlig ausgepumpten Alexander, der in der dritten Runde nach harten Treffern des Weltmeisters kurz vor dem K.o. gewesen war, gelingt es zum Ende der Einheit hin nicht ein einziges Mal, Klitschko zu treffen. „Er ist sehr beweglich für einen Mann von zwei Meter Größe. Wenn es mir als schnellem Cruisergewicht nicht gelingt, ihn zu treffen, dann gelingt es auch keinem Schwergewicht“, sagt der zweifache Familienvater aus New Jersey. Dazu habe ihn besonders Klitschkos schnelle Führhand beeindruckt. „Als er mich einmal voll getroffen hat, dachte ich, mein Gehirn fliegt mir hinten aus dem Schädel heraus“, sagt er.
„Ich fühle mich gut, alles läuft nach Plan“, sagt Klitschko. Eindrücke aus solchen Trainingseinheiten sind es, die Steward zu der Aussage verleiten, Klitschko sei im Berufsboxen derzeit eine Klasse für sich. „Es gibt an der Spitze nur Wladimir Klitschko, dann kommt lange nichts, und dann kommt der Rest des Feldes“, sagt er. Selbst den fünf Jahre älteren Bruder Vitali, der am 11. Oktober in Berlin nach fast vier Jahren Kampfpause ein triumphales Comeback feierte und den nigerianischen WBC-Weltmeister Samuel Peter durch technischen K.o. in Runde neun besiegte, hält er nicht für gleichwertig. „Wladimir hat alles: Technik, Athletik und Schlaghärte. Er ist ein kompletter Boxer.“
Kämpfe gegen Rahman oder auch gegen den beim Hamburger Universum-Stall unter Vertrag stehenden Ukrainer Alexander Dimitrenko (26), der seit seinem Sieg über Luan Krasniqi am vergangenen Sonnabend Klitschkos Pflichtherausforderer beim Weltverband WBO ist, hält Steward für „notwendige Übel“. Sein Traum ist jedoch ein Kampf zwischen Wladimir und dem Briten David Haye.....
Quelle:
http://www.abendblatt.de/daten/2008/11/19/975243.html?s=2